Autor: Willis E. McNelly (Frank Herbert)

Das Buch in einem Satz: Erklärungen zu so wichtigen Fragen wie ‘Was ist der Holtzmann Effekt?‘ oder ‘Wer ist eigentlich dieser Butler?‘
Dramatis Personae:
Es ist eine Enzyklopädie der ‘Dune’ Reihe. Wenn wir also nicht bei Buer Agarves anfangen und erst tausend Seiten später bei Wellington Yueh aufhören wollen – was sinnlos wäre, weil diese Rezension dann halb so lang wäre wie die Bücher – sollten wir auf ein Dramatis Personae verzichten.
Darum geht’s:
Die Reihe um den Wüstenplaneten fasziniert mich. Aber nicht in dem Ausmaß, dass ich nach lesen von Band eins losgestürmt bin und mir gleich alle Folgebände besorgt habe. Bis heute habe ich gelesen und im Regal stehen:
- Der Wüstenplanet,
- Der Herr des Wüstenplaneten
- Die Kinder des Wüstenplaneten
- Der Gottkönig des Wüstenplaneten.
Also noch nicht mal die komplette Ursprungsreihe, von den Spin Offs und Prequels mal ganz zu schweigen.
Das hat seine Gründe. Ich finde die Bücher unglaublich anstrengend. Vor allem die späeteren.
Der Wüstenplanet löst bei mir vor allem eine Frage aus, und die auf beinahe jeder Seite: Bin ich zu blöd, um zu kapieren, worum es geht, ist es zu schlecht geschrieben, um zu verstehen, worum es geht, oder war der Autor tatsächlich die ganze Zeit auf Droge?
Jedsmal wenn ich glaube, etwas durchschaut zu haben, wird es zwei Seiten weiter scheinbar wieder umgeschubst.
Gleichzeitig bin ich fasziniert von dieser Welt, von der Tiefe die sie (scheinbar?) hat, von den unglaublich vielen Strängen, Philososphien und Entwicklungen.
Als ich also über die Spielemesse in Essen schlenderte und bei den Secondhand Büchern über diese Enzyklopädie stolperte, war sofort klar, dass die beide Süßen mitkommen. Erklärungen! Endlich!
Noch dazu liebe ich Nachschlagewerke zu fiktiven Themenkomplexen.
Und ja, es ist genau das, was ich mir erhofft habe.
Es liest sich unterhaltsam, super zum Aufschlagen at randome und dann reinschmökern, und ich habe inzwischen tatsächlich ein etwas besseres Verständnis dafür, was:
- mir zu hoch
- schlecht geschrieben
- total wirr
- oder schlecht konstruiert ist.
Super!
Bei Nachschlagewerken über fiktive Themenzusammenhänge kann man auf verschiedene Weise vorgehen.
Dieses hier sieht sich selbst als inneren Teil des beschriebenen Universums. Das heißt: Ausgehend von einem bedeutendem archäologischen Fund auf Rakis, dem ehemaligen Arrakis, dem Wüstenplaneten, wird eine Enzyklöpädie herausgegeben. Wir befinden uns zeitlich also ca zweitausend Jahre nach dem Tod Leto II, und fünftausend nach Paul Atreides.
Einige der Artikel sind komplette Übernahmen aus anderen fiktiven Werken (zum Beispiel einem Gastronomischen Führer), andere zitieren großzügig aus Werken, die dem Leser schon bekannt sind (aus den Zitaten am Kapitelanfang) oder aus den entdeckten Tagebüchern etc.
Besonders amüsant fand ich einen der Einträge über Paul als historische Persönlichkeit, bei der bewiesen wird, das Paul Atreides beim Angriff der Harkonnens gestorben ist und der spätere Fremenführer und Imperator ein gebürtiger Freme gewesen sein muss, der aus politischen Überlegungen den Namen des Toten angenommen hat. *snigger*
Geschichte ist halt doch ein schwieriges Fach.
Und so ganz nebenbei sind sämtliche Appendices Tolkiens gegen dieses Ding ein Reclamheftchen mit Zweizweilern der Romantik.
Was hier an Daten rausgehauen wird, und wie das ganze völlig unverfroren mit unsere Geschichte verwoben wird ( Königin Eleanor, Gattin von Henry II Plantagenet, war eine Bene Gesserit – schon gewusst? ) ist so völlig krude, dass ich die Freiheit des Geistes, die dahintersteckt, irgendwie schon wieder bewundern muss.
Fazit: Ich hab Spaß an solchen Sachen.
Zitat:
Die Xenokulturelle Sammlung verblüfft die Gelehrten mit dem Ausmaß ihrer Bestandteile und der verblüffenden Selbstzufriedenheit, mit der die Bene Gesserit ihre Definition von ‘außerirdischem’ oder ‘fremden’ Material formuliert haben. Während es kaum überrascht, hier vollständige Ausgaben des ursprünglichen Wüstenbuches der Fremen zu finden ( (…) ), oder das Tleilaxu-Gottbuch, den Kodex der Zensunni, das Mentaten-Handbuch, das Handbuch der Raumgilde, das Wüstenevangelium oder das Quizarat-Glaubensbekenntnis, ist die Entdeckung geradezu schockierend, daß die Bene Gesserit auch die Orange-Katholische Bibel ( O.K.B. ) und die Historieren der Hohen und Kleinen Häuser, einschließlich der des Hauses Atreides, in die Xeno-Abteilung eingeordnet haben.